Samstag, 2. März 2019

Alleinerziehend auf Zeit - Geht das?

Von Veränderungen und Konstanten - Alleinerziehend mit drei Kindern und Ehemann 


Es war die letzte Zeit ruhig hier. Das hat unterschiedliche Gründe. Über einen davon möchte ich euch hier berichten.

Dieses Jahr wird ein Jahr der großen Veränderungen sein. Wer mich persönlich kennt, weiß, wie unser Alltag hier aussieht. Unter der Woche bin ich größtenteils alleinerziehend. Mein Mann hat einen Job, der oft erst dann wirklich stressig wird, wenn andere Feierabend machen und zu ihren Familien an den Abendbrottisch kommen. Über viele Jahre lernte ich damit zu leben und mich danach zu richten, sodass ich den Alltag auch gut alleine bewältigen konnte. Aber oft kamen Fragen meines Umfeldes wie:

"Wieso lässt du dir das von deinem Mann bieten?" 
"Du musst mehr Beteiligung einfordern. Das kann doch so nicht funktionieren?" 
"Bist du wirklich glücklich mit der Situation?"
"Er ist doch auch ein Elternteil, er muss doch die Verantwortung für seine Kinder mittragen. Warum macht er das nicht?"
etc.

Nun, wieso lasse ich mir das denn "bieten"? Bin ich wirklich so unfähig meine Bedürfnisse klar zu kommunizieren? Kann ich ihm nicht einfach vorschreiben, dass er abends zuhause zu sein hat? 
All diese Fragen habe ich mir gestellt, jedes Jahr von Neuem. Das Ergebnis fiel stets eindeutiger aus. Mit jedem Ehejahr und jedem weiteren Abend "alleine". 

Ich liebe meinen Mann über alles. Er ist mein allerbester Freund. Niemandem vertraue ich so wie ihm. Er ist die Konstante in meinem Leben, während sich in meinem Gehirn alles überschlägt. Nur mit ihm halte ich mich aus. Nur er vermag mich daran zu erinnern, wie gut ich bin, mit dem wie ich bin und was ich mache. Er ist der beste Vater für unsere Kinder, auch wenn er viel unterwegs ist. Warum? Weil er sie liebt, so wie sie sind. Ab ihrem ersten Atemzug und schon davor. Nur er bekommt dieses Glitzern in den Augen, wenn der Kleinste plötzlich zeigen kann, wo seine Augen sind. Oder wenn die Große mal wieder in Turbogeschwindigkeit eine tolle Bastelei erschafft. Oder wenn der Mittlere ihm mit Begeisterung von seinem ersten Tor beim Fußballtrainig berichtet. Nur er und ich sehen unsere Kinder mit diesen Augen. Auch dann, wenn er viele dieser Dinge nicht live erleben kann. 

Denn, was hinter den Fragen, die ich gestellt bekomme, steht stets die Annahme, dass seine Abwesenheit auf absoluter, eigener und egoistischer Entscheidung fußt. Aber wer kann, in dieser kostenintensiven Zeit mit drei Kindern denn noch freiwillig entscheiden, ob er arbeiten geht oder nicht? Ich kenne niemanden. 

Nun, dann könnte ich doch von meinem Mann wenigstens erwarten, dass er einen Job sucht, bei dem er nicht diese Dauerpräsenz leisten muss, oder? 
Kann ich das wirklich? 

Meine Antwort auf diese Frage ist ein klares "NEIN"! Mein Mann macht den Job, den er liebt. Den Job, der es ihn ertragen lässt, von seiner Familie so viel getrennt zu sein, um unser gemeinsames Leben zu finanzieren. Den Job, auf den er schon seit Kinderjahren hingearbeitet hat. Wer bin ich, dass ich das von ihm fordern könnte. 

In unseren Ringen stehen weder Name noch Hochzeitsdatum, sondern nur ein Liedvers, der unsere Beziehung auf unvergleichliche Weise zusammenfasst. Zusammengefasst bedeutet er, dass es mir nur gut geht, wenn es ihm gut geht. As simple as that. Denn so ist es. Hat mein Mann einen schlechten Tag, fühle ich mit ihm. Leide ich mit ihm, auf die ein oder andere Weise. Wir sind verbunden. Ich ertrage es nicht, ihn unglücklich zu sehen. Und genau das ist auch genau richtig so. Nicht umsonst liebe ich ihn mit jeder Faser meines Körpers. Genau so wie er ist. 

*

Daher nochmal die Frage: Kann ich an diesem Punkt solche Forderungen an ihn stellen?

Könnte ich! Aber ich will es nicht. Ich bin gern Mutter. Und zum ersten Mal kann ich einfach zuhause bleiben und meine Kinder auf ihrem Weg aktiv begleiten. Mein Mann trägt meinen Wunsch dahingehend mit, dass er arbeiten geht, um ausreichend Geld für unser Leben, so wie es ist, bereit zu stellen. Im Gegenzug halte ich ihm den Rücken frei, um ihm die Möglichkeit zu geben, den Job zu machen, der ihn glücklich macht. So gesehen eine Win-Win-Situation. 

Dass es nicht immer einfach für alle Beteiligten ist, muss glaube ich nicht wirklich offenbart werden. Natürlich fehlt mir mein Mann oft. Natürlich fehlt er den Kinder. Natürlich wären wir gern reich, ohne etwas dafür tun zu müssen. Aber wir sind es nicht. 

Dieses Jahr kommt eine neue Herausforderung für uns. Mein Mann wird mehr als die Hälfte der Woche komplett weg sein. Und ich mit den Kindern allein zuhause. 

Ich bin gespannt darauf, wie es uns damit gehen wird. Darauf, wie ich es meistern werde. Darauf, wie es meinem Mann damit gehen wird. Darauf, wie wir uns als Familie verändern. Darauf, wie wir uns als Paar entwickeln. Darauf, wie die Kinder mit der Situation zurechtkommen. Auf so viele Aspekte schaue ich voller Spannung. 

Aber auf der anderen Seite freue ich mich für und mit meinem Mann, noch mehr in einem Bereich arbeiten zu können, der ihm Freude bereitet. Der die Trennung von uns tragbar macht. 

Ich unterstütze ihn auf seinem Weg und hoffe, dass die Menschen um uns rum, zuerst denken und dann sprechen. Denn beurteilen kann das niemand außer uns. 

Eure Tanja

Hinterlasst mir gern eure Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen andere Familien damit gemacht haben und wie es euer Leben als Familie geprägt hat. 

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