Mittwoch, 23. Januar 2019

Unser Schweden-Abenteuer - Teil 5

Auf zur letzten Etappe

Nach einer schier unendlich scheinenden Episode von Erkrankungen in unserer Familie, habe ich endlich die Möglichkeit meinen letzten Artikel zu unserer Schweden-Reise zu verfassen. Mit etwas Wehmut beende ich auch das Schreiben über dieses Erlebnis, denn nun scheint es endgültig zu Ende zu sein. Ein Trost bleibt... Die nächste Reise ist schon im Planung. 

*


Die Stadt Gävle entließ uns mit einem wohligen Gefühl. Wir hatten uns dort unglaublich wohl gefühlt. Es war genau die richtige Mischung aus Kultur und Natur. Toben und Lernen im Gleichgewicht. 


Ein paar Stationen standen uns noch bevor. Zunächst ging es jedoch nochmal für ein paar Tage auf einen ruhig gelegenen Campingplatz, auf dem wir einfach ein paar Tage verbringen wollten, ohne gleich weiterzufahren. Unser Sohn sollte seinen fünften Geburtstag nicht auf der Straß verbringen. Die Wahl fiel auf Mariefreds Camping. Ein kleiner Campingplatz am Rande des Stockholmer Schärengebietes. In der gleichen Buch liegt auch das Gripsholms Slott, eines der Schlösser der schwedischen Königsfamilie. Vom Strand des Campingplatzes hat man einen schönen Blick auf den beeindruckenden Bau. 

Mariefreds Camping Badestelle

Das Wetter spielte auch hier nicht richtig mit, sodass wir das Baden für diese Reise langsam ad acta legten. Zumal die Schären deutlich kälter sind als abgeschlossene Gewässer. Zur Feier seines großen Tages wünschte sich das nunmehr offizielle Vorschulkind Grillen am Lagerfeuer mit Stockbrot und Würstchen. Also besorgten wir Kohle, Hefe und Mehl. Dann konnte es schon losgehen. Leider fing es, als die Glut am besten war und wir gerade auflegen wollten, an zu regnen. Unbeeindruckt davon, in Regenjacken verpackt, wurde weiterhin Stockbrot gegrillt und Würstchen gefuttert. 
Als der Regen nachließ stand als krönender Abschluss noch eine Partie Minigolf auf dem Programm. Ein rundum gelungener Geburtstag fand unser großer Sohn. 

Stockbrot ist das Beste

Nach insgesamt drei Nächten auf dem Campingplatz, in denen wir wieder Wäsche wuschen, die Kinder Freundschaften knüpften und viel Zeit beim Spielen verbrachten, reisten wir weiter zu den letzten Attraktionen, die wir unbedingt noch besuchen wollten. 

*

Auf dem Weg nach Söderköping, unserem nächsten Ziel, machten wir kleinen Nachmittagsausflugs-Stopp in Julita Gård, wo wir das Zuhause von Pettson und Findus (auf Schwedisch heißt er nämlich nicht Petterson) besuchten. Aber dieses Freilichtmuseum hat viel mehr zu bieten, als nur dieses von Kindern geliebte Duo. Neben einem großen Garten mit unzähligen alten Apfelsorten, einem Imker, dem man bei der Arbeit zusehen kann und einem Bauerhof, auf dem man einerseits Tiere, andererseits die Geschichte der schwedischen Landwirtschaft anhand von Exponaten (Traktoren, Nachbauten von historischen Höfen, Werkzeuge zur Ernte, etc.) betrachten kann, gibt es dort auch ein großes Areal, auf dem historische restaurierte Gebäude begangen und angeschaut werden können. Die Kinden fanden es toll zu sehen, wie klein die Häuser damals waren und wie klein die Betten der Erwachsenen waren. Es war spannend die parallelen zu Deutschland zu sehen, aber auch die Unterschiede, die sich offenbarten. 

Pettersons Hof

Zuletzt, nach einem 3 Stündigen Erkunden des gesamten Parks, ging es zu Findus Spielscheune, die hinter einem kleinen romantisch eingerichteten Café liegt. Während wir einen Kaffee tranken und dem Baby bei Hochziehversuchen zuschauten, kicherte und lachte es aus der Scheune, in der gerade nur unsere Kinder drin waren. Neben Kostümen gibt es dort auch einen Maltisch, Spiele und einen Einkaufsladen, der bespielt werden kann. Es war ein richtig schöner sonniger Nachmittag, den alle genießen konnten. 

Findus Toilette - Pure Faszination
Am Abend erreichten wir müde, aber ziemlich zufrieden Söderköping, wo wir uns auf dem Stellplatz am Götakanal häuslich einrichteten, um an nächsten Tag in die bekannteste Eisdiele Schwedens zu gehen. Berüht ist diese Eisdiele wegen der unzähligen Sorten Eis und den bombastischen Eisbechern, die dort angeboten werden. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. 

Da selbst für uns Eis zum Frühstück ein bisschen zuviel des Guten war, haben wir uns am Vormittag des nächsten Tages erstmal die Stadt selbst angeschaut. Söderköping ist ein nettes Städchen, das vor allem durch den Götakanal teils recht touristisch ist. Dies aber vorwiegend entlang des Götakanals. Im Gästehafen ist das Servicehaus beherbergt, das auch von den Wohnmobilern genutzt werden kann. Besonders die Promenade hat uns mit den kleinen Cafés und Shops gut gefallen. Aber auch die Innenstadt ist sehr gemütlich, alles ist klein und unaufgeregt. Uns hat es dort gefallen. 

Die Eisdiele war aber natürlich der Höhepunkt des Tages. Denn zum "Mittagessen" gab es einen legendär großen Eisbecher für alle, die sich einen zutrauten. In weiser Voraussicht wählte unser großes Kind nur einen Kinderbecher mit drei Kugeln. Hätte sie nur ihre Weisheit mit mir geteilt. Denn von allen anderen, die sich einen "normalen" Eisbecher bestellt hatten, bezwang nur mein Mann seinen in Gänze. Der mittlere und ich kapitulierten nach der Hälfte und gingen gesenkten Hauptes aus dem Café. 

Trotzdem war es ein Erlebnis für alle. Die Eisbecher waren wunderschön angerichtet und schmeckten sehr sehr lecker. Den Zucker- und Eisschock akzeptiert man bei der Bestellung. Und anstatt Blumen sprechen zu lassen, lasse ich einfach die Bilder sprechen...

Gigantische Eisbecher und Kalorienverbrennung danach

*

Auf dem Weg Richtung Göteborg, unserer letzten großen Station, lag eine unserer Hauptattraktionen, die Astrid Lindgrends Värld. Angesichts der Preise und dem noch teils lückenhaften Wissen unserer Kinder um all die vielen Geschichten, die diese unglaubliche Frau geschrieben hat, haben wir uns entschlossen, uns den Park in der Nebensaison anzuschauen.  Doch zunächst checkten wir auf dem Campingplatz in Vimmerby ein. Man merkte recht schnell, dass der Platz sich den Hype um Astrid Lindgren zu Nutze macht und auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist. Wirklich gemütlich fand ich ihn nicht. Es gibt ein recht großes Sanitärgebäude, in dem WC, Duschen und eine große Gemeinschaftsküche untergebracht war. 
Der See Nossen, an dem der Campingplatz liegt, ist sehr schön und ich denke, man kann dort gut baden gehen, wenn es denn warm ist. 

Der Nossen im Sonnenlicht

Nach einer Übernachtung ging es dann zum Freizeitpark, der trotz Nebensaison gut besucht war, jedoch verlief es sich auf dem großflächigen Gelände so gut, dass es nirgends größere Menschenansammlungen gab. 
Nach dem Eingangsbereich, in dem vor allem Geschäfte angesiedelt sind, kann man nach und nach die Welt der Figuren der Astrid Lindgren entdecken. Als erstes schauten wir uns Junibacken an: Madickens Zuhause. Ein liebevoller Nachbau in Kindergröße inklusive Steg und Fluss. Auf dem Steg stehend rätselten wir mit den Kinden, an welcher Stelle wohl dieser tiefe Graben ist, in dem Madita und Lisbeth beinahe ertrunken wären, wäre nicht Abbe, der Nachbarssohn gewesen, der die beiden rausgezogen hätte. 
Auch Pippis Anwesen, das Dorf und die Burg der Brüder Löwenherz und der Bereich, der Ronja gewidmet ist, hat uns riesig gefallen. Es war ein Erlebnis, alles in Ruhe ohne Menschengewimmel erkunden zu können. 

So viel zu entdecken...

Aber leider gab es auch Sachen, die wir nicht ganz so schön gestaltet fanden. Vor allem Bullerbü. Es war sehr klein, ohne die vielen schönen Details, die man aus den Büchern kennt. Weder die Schnur, an der sich die Mädchen Post schickten, noch die Große Eiche, über die die Jungs zueinander kletterten ist hier berücksichtigt worden. Ohne Schild hätten wir es kaum wiedererkannt. 

Insgesamt gesehen, war es sehr schön, in die Welten der Figuren Astrid Lindgrens eintauchen zu können. Wir werden es sicher noch einmal zur Hauptsaison besuchen, um die vielen Vorführungen zu sehen und auch in das ein oder andere Haus hineingehen zu können, das während der Nebensaison geschlossen ist. Empfehlenswert finde ich den Park jedoch erst für Kinder ab mindestens drei. Vorher ist es, meiner Meinung nach, noch zu früh, da vor allem auch viele Kletterbereiche, Rutschen, etc. pp. eher für größere Kinder geeignet sind. 


*

Zuletzt ging es nach Göteborg, wo wir noch einmal ein bisschen den Charme dieser wirklich wunderschönen Großstadt genießen wollten. Auch ein wenig wehmütiges Erinnern an das letzte Mal mit damals nur zwei Kindern im Alter von 3 und 1 trieb uns nach Göteborg. Damals hatten wir auch einen Tagestrip dorthin gemacht und den wunderschönen Slottskogen mit seinem riesigen Spielplatz Plikta  für uns entdeckt. Gern hätten wir auch dieses Mal eine größere Runde durch den Park gedreht, da er noch so viel mehr als nur diesen Spielplatz bietet, aber leider hatten wir weniger Zeit und mussten zwei Programmpunkte an einem Tag miteinander vereinbaren. 

Slottskogen und Universeum

Der erste Programmpunkt war der Besuch des Universeums, einem sehr großen Museum, das neben unterschiedlichen wissenschaftlichen Ausstellungen, die für die Kinden ganz viele Aktivitäten bieten, auch einen kleinen Regenwald und einen großen Aquariumbereich einschließt. Wie der Name ja schon vermuten lässt, ist es der Versuch, ein universelles Museum zu bieten, das möglichst viele Themen unter einem Dach vereint. Dies ist unserer Meinung nach mehr als gelungen. 

Die Kinder konnten sehr viel selbständig erkunden und ausprobieren, wir Erwachsenen haben noch einiges dazugelernt und konnten wirklich entspannt mit den Kindern das Museum durchlaufen. Es ist einfach perfekt auf Familien mit Kindern jedes Alters eingerichtet. 
Das absolut beste Erlebnis für unserer Beiden war jedoch der Mint-Bereich, in dem, nach dem Absolvieren von 5 Aufgaben, die Möglichkeit bestand, mit Hilfe der Mitarbeiter, einen kleinen Ball oder Marienkäfer zu programmieren, und einen Parcours abfahren, bzw. ablaufen zu lassen. Während ich mit unserer Tochter als Team arbeitete, taten sich Vater und Sohn zusammen und hatten viel Spaß. 

Das Universeum steht für uns das nächste Mal wieder ganz oben auf der To-Do-Liste für Göteborg. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. Die Preise sind zwar nicht unbedingt niedrig, aber wenn man es mit einem Zooeintritt in Deutschland vergleicht, befinden man sich ca. auf demselben Niveau. Dafür wird einem aber deutlich mehr geboten. 

*

Von Göteborg aus tuckerten wir mit zwei weiteren Zwischenstopps bei gleichbleibend miesem Wetter an der Westküste zurück. Nochmal ans Meer, nochmal ein bisschen Camping ohne irgendwelche Pläne und einfach die gemeinsame Zeit genießen, bevor uns zuhause wieder die "Realität" mit all ihren Facetten erwartete. Wir schauten Filme, während sich draußen Regenströme auf unser Wohnmobildach ergossen. Wir aßen sehr viel schwedische Schokolade. Und wir freuten uns langsam aber sicher auch auf die ganzen Menschen, die uns zuhause erwarteten. Familie und Freunde. Es war summa summarum ein unvergleichliches Erlebnis, das wir so immer wieder wiederholen würden. Es hat uns zusammengeschweißt, uns zur Weißglut getrieben, uns mit den Marotten der Anderen versöhnt, oder auch nicht, es war einfach intensiv und schön. 

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr



Ich danke euch, dass ihr uns durch die einzelnen Artikel auf unserer Reise begleitet habt. 

Wie macht ihr das? Reist ist in der Elternzeit oder genießt ihr es einfach gemeinsam den Alltag zu erleben? 

In Vorfreude auf die nächste Reise,

Eure Tanja

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Must-see

Was mach' ich nur mit euch?

Krankheit-Survival-Kit Inzwischen hat es bestimmt jeder schon mitbekommen:  Wir sind dauerkrank die letzten zwei Monate!!!  In den...