Dienstag, 18. Dezember 2018

Unser Schweden-Abenteuer Teil 4


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Natur wir kommen

Endlich waren wir am Fulufjället Nationalpark angekommen und mussten ernüchtert feststellen, dass das Wetter gegen uns zu sein schien. Es war kalt und regnerisch. Dabei hatten wir uns auf ausgiebiges erkunden des Nationalparks gefreut.

Mörkret Stellplatz - Mit königlicher Anwesenheit im Toilettenhäuschen

Aber da wir stets versuchen es positiv zu sehen, waren es die Kleinigkeiten, die die zwei Tage auf dem Mörkrets Stellplatz trotz Regen und Kälte zu etwas Besonderem gemacht hatten. Durch die anhaltenden Regenfälle war das Feuer - und Grillverbot aufgehoben worden. Im Klohäuschen war noch ein Sack Brennholz, den sich mein Mann sofort unter den Nagel gerissen hat. So konnten wir das heiß ersehnte Lagerfeuer in einer der vorhandenen vorbereiteten Feuerstellen machen. Die Kinder grillten Brotscheiben, da wir kein Mehl und keine Hefe für Stockbrot dabei hatten. Ein Erlebnis, das unseren Sohn lange mit einem wohligen Erfolgserlebnis erfüllt hat.
Auf dem Platz sind außerdem zwei kleine Schutzhütten mit Tisch und zwei Bänken. Gekocht hatte mein Mann zwar im Wohnmobil, gegessen haben wir aber in der Hütte, wo es trocken und sehr gemütlich war, während direkt über uns der Regen prasselte. Die Kinder hatten den Tisch gedeckt und den Stuhl des Kleinen schon mal aufgebaut. So hatte jeder das Gefühl etwas zu dem tollen Erlebnis beigetragen zu haben.

Den Tag der Ankunft haben wir mit Umschauen, Essen zubereiten, im Regen über den Platz spazieren und Elchhaare in den Ästen, der am Ufer wachsenden Bäumen, entdecken und Feuerchen machen verbracht. Die kurzen Regenpausen boten immer wieder Möglichkeiten draußen zu spielen, sodass die Stimmung trotz der Enge im Wohnmobil gut blieb. 

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Am nächsten Morgen machten wir uns direkt nach dem Frühstück und der Vorbereitung der Vesperdosen für die Wanderung zum Wasserfall auf dem Weg zum Besucherparkplatz des Fulufjället Nationalparks. Wir wollten uns zunächst einen Überblick über den Park und unsere Möglichkeiten verschaffen, indem wir uns im Besucherzentrum "Naturum" umschauten. Dort war alles sehr kindergerecht aufbereitet, sodass die Kinder sich vorab anschauen konnten, welche Tiere im Nationalpark leben und was es dort zu entdecken gibt. Da das Wetter sehr unstet war, haben wir uns dann aber recht zügig auf den Weg zum Wasserfall gemacht, da wir diesen unbedingt sehen wollten und unterwegs dorthin, abhängig vom Wetter, entscheiden wollten, ob wir noch eine erweiterte Wanderung machen. Dass diese Entscheidung richtig war, merkten wir kurz bevor wir den Wasserfall erreicht hatten. Es fing nämlich wieder an zu regnen.

Naturum

Der Weg zum Wasserfall war sehr schön, da es immer wieder Stationen gab, an denen man hätte ruhen und rasten können. Zudem konnte man die Veränderung der Vegetation mit steigender Höhe sehr gut erkennen. Die Baumgrenze hat unsere Kinder wieder mal total geflasht. Dass plötzlich einfach keine Bäume mehr wachsen und es nur noch kleine Büsche und Flechten gibt, faszinierte sie sehr. Gerade bei nassem Wetter ist es sehr empfehlenswert Schuhe mit gutem Profil zu tragen, da der Weg nur wenig befestigt ist, da viel Wert darauf gelegt wird, wenig in die Natur einzugreifen. 

Fulufjället Wasserfall - Ein schöner Ausflug auch bei Regen
Ab und zu waren hier und da einige Beschwerden zu hören, weil es stetig bergauf ging. Aber da ich meine Kinder gut kenne, wusste ich, dass sie spätestens beim Wasserfall begeistert sein würden und die Strapazen vergessen. Und so war es denn auch. Den letzten Steg (oder nennt man sowas Brücke???) rannten die beiden, happy das Ziel erreicht zu haben, zur Plattform, von er aus man einen wundervollen Blick auf das herabstürzende Wasser hatte. Da wir recht wasserdicht ausgestattet waren, haben wir uns entschieden, trotz des Regens, auf der Plattform zu vespern. Wie immer hatten die Kinder ihre eigenen Rucksäcke von Deuter dabei, die uns seit nunmehr 4 Jahren gute Dienste leisten, da hier immer eine Isomatte zum Draufsitzen drin ist und bisher kein Regen bis zum Vesper und dem restlichen Inhalt durchdringen konnte. Eine kleine Maus, die immer wieder auf den Steinen hervorspitzte, leistete uns Gesellschaft und holte sich ein paar kleine Stücke Obst bei den Kinder ab. 

Trotz des Regens und der Tatsache, dass Nebensaison war, war in dem Park viel los. Man sollte sich keine Illusionen machen, dass man hier allein und absolut ungestört erkunden kann. Dafür muss man schon einen der anderen Wege einschlagen, die nicht direkt zum Wasserfall führen. Wegen des stärker werdenden Regens und der Tatsache, dass unsere Kraxe von Deuter (noch) keinen zusätzlichen Regenschutz hat, haben wir uns entschieden den Weg zum Wohnmobil, mit einem zweiten Stopp im Naturum, einzuschlagen. Dort musste sich unsere große Kuscheltierfreundin unter Tränen noch für ein Kuscheltier, dass sie von ihrem Ersparten kaufte, entscheiden. Die Tränen rührten daher, dass sie einfach nicht wusste, welches dieser wirklich süßen Tiere bei ihr nun zuhause sein sollte. Am Ende ging sie mit einem breiten Lächeln und einem Fuchs, der unter ihrer Jacke vor dem Regen geschützt wurde, aus dem Naturum raus und war selig. 

Das Vespern hatten wir dann doch ins Wohnmobil verlegt, da die warme Bude uns doch mehr lockte, als eine zugige Schutzhütte. Und während um uns rum unsere triefenden Jacken trockneten, wurde mit großem Frischluft-Appetit so richtig gefuttert. 

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Vom Fulufjället aus ging es auf direktem Wege nach Sveg, einer Zwischenstation zum Runterkommen, Erholen und Waschen. Die Kinder waren doch etwas gestresst von unserem straffen Zeitplan der letzten Tage, sodass wir ein paar Tage pausieren wollten, bevor wir weiter nach Gävle fahren würden. In Sveg gingen wird also auf einen Campingplatz, und zwar diesen hier: Svegs Camping. Der Platz ist recht klein, liegt in der Stadt, aber auch gleichzeitig wunderschön am Wasser, wo sowohl gebadet, geangelt oder Boot gefahren werden kann. Leider spielte das Wetter, trotz Sonnenschein, nicht so mit, dass wir hätten baden gehen können. Es war einfach zu kalt. 

Himmel über Sveg

Da die Kinder aber auch körperlich, nach recht vielen Tagen IM Wohnmobil, angespannt waren, gingen wir in das in Sichtweite liegende Hallenbad. Sowohl preislich als auch aus Aspekten der Familienfreundlichkeit war das Bad für uns ein Volltreffer. Es gab eine großzügige Kinderecke, eine Kletterwand über dem Schwimmerbecken und ein laaaaange Rutsche, die sicher 30-40 Mal von unserer Tochter berutscht wurde. Es war wirklich schön, das warme Wasser genießen zu können und ein bisschen Kraft für die weitere Reise tanken zu können. 

Am Abend kamen wir endlich dazu Postkarten zu schreiben und einfach zusammenzusitzen, während das Baby oben schlief. Ein seltener Moment, in dem alle total entspannt und in sich ruhend waren. Denn, seien wir mal ehrlich, so lange Zeit rund um die Uhr zusammen zu sein, ist nicht nur schön. Es ist einerseits ganz großartig endlich so viel Zeit füreinander zu haben, gleichzeitig ist es emotional sehr fordernd, keine räumliche Trennung zu haben, um seine Gedanken zu sammeln und tief durchzuatmen. Mein Mann hat sich deshalb ab und zu abends für eine halbe Stunde verabschiedet, um runter zu kommen. Denn im Gegensatz zu mir, ist er es aufgrund seine Arbeit viel weniger gewohnt so lange und so viel Zeit mit den Kinder am Stück verbringen zu können und zu müssen. Jetzt in unserem Alltag merke ich aber einen deutlichen Unterschied zu der Zeit vor der Reise, da er viel selbstverständlicher mehr Zeit für uns abknapst, weil er festgestellt hat, wie viel ihm diese gemeinsame Zeit gibt. 

*

So vergingen zwei sehr entspannte Tage und wir machten uns weiter auf den Weg. Next stop... Gävle. Auf diese Stadt war ich wirklich sehr gespannt. Neben dem Gävlebok zeichnet sich die Stadt auch durch viele besonders schöne Ecken aus und ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort. 

Wir wollten die Stadt von innen erkunden und entschieden uns auf den wirklich traumhaft gelegenen Stellplatz in der Nähe des Hafens zu stellen. Dort hatten wir grade noch Glück und haben den letzten Platz ergattert. Eingehüllt in den Duft der Kaffeerösterei Gevalia gegenüber vom Stellplatz stellten wir unser Wohnmobil auf und genossen den Blick aufs Wasser. In der Touristeninformation des Gästehafens bekamen wir für die Serviceräumlichkeiten einen Code, mit dem wir die Duschen, Toiletten, Waschraum und nach Wunsch die Sauna nutzen konnten/hätten können. Da wir in der Nebensaison da waren, konnten wir komplett kostenlos Wäsche waschen und trocknen, was wir tatsächlich auf unserer Reise so oft wie möglich machten, da wir nie wussten, wann die nächste Möglichkeit käme, dies gut oder überhaupt machen zu können. 

Gästehafen in Gävle 

Da wir erst abends ankamen haben wir den Tage einfach ausklingen lassen mit leckerem Essen und einem kurzen Spaziergang an der Hafenpromenade. Am nächsten Morgen wollten wir ursprünglich ins Gefängsnimuseum, was aber, weil wir unseren Plan, wann wir in Gävle sein wollten, etwas geändert hatten, leider zu hatte. Daher entschieden wir uns in das Landesmuseum zu gehen und danach die Stadt zu erkunden. Der Eintritt war kostenlos, was angesichts des wirklich schönen Museums für uns sehr überraschend war. Neben historischen Ausstellungen, findet man dort einen Kindermuseumsbereich, in dem Kinder auch an ganz normalen Tagen selbst gestalten können, mit bereitgestellten Materialien, und sich verkleiden können oder einfach ein Buch anschauen. Außerdem befindet sich dort eine große Kunstausstellung, die sich über zwei Etagen erstreckt und sowohl klassische Kunstwerke als auch welche der Moderne zeigt.

Länsmuseum mit vielen Dingen zum Entdecken

Unsere kunstaffine Tochter genoss den Besuch dort sehr und hat sich viele Ideen für zuhause mitgenommen, was sie denn so selbst mal nachmachen könnte. Insgesamt war der Besuch dort sehr angenehm und eine tolle Abwechslung zu unserem Outdoorleben. Wir empfehlen allen Familien dort für ein oder zwei Stunden einzukehren, wenn man diese wunderschöne Stadt besucht.

Nachdem wir uns mit Proviant aus einem Coffe Shop versorgt hatten, wollten wir den großzügigen und absolut traumhaft schönen Stadtsträdgarden, in dessen Herz sich ein wirklich schön angelegter, weitläufiger Spielplatz befindet. Dort gibt es unterschiedlichste Aktivitäten, die für ganz kleine, aber auch schon große Schulkinder attraktiv sind. Unsere 0-7 Jahre alten Kinder fanden es dort richtig super. Und wir konnten mit leckerem Kaffee und jeder einer Kanelbulle in der Hand ein bisschen die Ruhe und Zeit für ein Erwachsenengespräch ohne gespitzte Kinderohren genießen.

Riesiger Spielplatz mitten in einem wunderschönen Park

Nach knapp 1,5 h Stunden im Park, ging es dann mit ziemlich müden Kindern langsam wieder Richtung Wohnmobil, wo wir noch eine ausführliche Runde Wissensquiz über Schweden (Frågespel om Sverige) spielten, das wir uns in Gekås gekauft hatten. Das Spiel hatten wir uns extra gekauft, um unsere Schwedischkenntnisse etwas zu pushen und einen größeren Einblick in die Kultur und Gesellschaft zu bekommen. Die größte Erkenntnis war, dass selbst die schwedischen Kinder ein größeres Wissen über die musikalische Historie ihres Landes haben, als ich jemals besitzen werden. Unsere Kinder, die am Anfang noch mitgespielt hatten, wollten uns dann lieber aus ihren Betten zuschauen und schliefen, bevor die erste Runde zu Ende gespielt war.

Am Tag drauf war dann das Fängelse-Museum, welches wir unbedingt sehen wollten, offen und wir machen uns recht früh auf den Weg dorthin. Das Museum ist zweigeteilt, in die ältere Phase (Mittelalter bis Anfang des 19. Jhd.) und eine jüngere Phase (bis zum letzten Gefangenen ca. 1970). Wenn ihr mit kleineren Kindern oder empfindsamen Jugendlichen kommt, solltet ihr bedenken, dass der ältere Teil für diese NICHT geeignet ist. Wir wurden von der Empfangsdame zwar vorgewarnt, dass es etwas grausamere Bilder/Ausstellungsstücke gäbe, aber das war definitiv untertrieben. Ich bin mit den Kindern nach 10 Minuten rausgegangen, da es massiv zu grausam war. Es werden Folter- und Vollstreckungsmaschinerien dargestellt. Rädern, Verbrennung, Köpfungen, etc. Zwar alles mit Miniaturfiguren, was aber der ganzen Geschichte keine weniger beängstigende Wirkung verleiht. Selbst mir sind die eine oder andere Darstellung sehr unangenehme im Gedächtnis geblieben. Daher empfehle ich bei einem Besuch mit Kindern ausschließlich den modernen Teil, in dem einzelne Gefängniszellen die Schicksalen einzelner Personen, historischen Abrisse über die Entwicklung des Gefängnisses oder Fluchtversuche informieren. Unter anderem wird die Frage aufgeworfen, inwiefer Kriminalität von den einzelnen Personen selbst beeinflusst hätte werden können oder ob dies nicht z.B. durch die erlebte Kindheit vorbestimmt war und durch Gefängnisaufenthalte endgültig zum Teil einer Persönlichkeit werden musste. Wir haben mit unseren Kindern ausführlich darüber diskutiert und mussten feststelle, dass sie eine ganz klare Meinung dazu hatten, dass Menschen grundsätzlich alle gut sind und nur durch (sie nannten es "Pech") zu Verbrechern werden.

Wenn man mit seinen Kindern dieses Museum besuchen möchte, sollte man sich schon mal darauf vorbereiten, dass sehr viele Fragen kommen und es sehr großen Diskussions- und Gesprächsbedarf geben wird im Nachhinein.

Wieder im Wohnmobil angekommen, mussten wir feststellen, dass unsere Wasserpumpe kaputt ist und wir uns wohl oder übel schnell eine neue besorgen müssen, da es sonst mit fließend Wasser schlecht aussähe. Ein großer Baumarkt Biltema in Gävle schaffte dann glücklicherweise Abhilfe, sodass wir am Abend desselben Tages bereits wieder im Wohnmobil Händewaschen und Lebensmittel verarbeiten konnten. Außerdem war ja bei unserem Aufenthalt in Mörkret eine unserer Gasflaschen leer gewesen, sodass wir auch diese auffüllen lassen mussten. Auch hier hatten wir Glück, da es nicht weit vom Baumarkt den Gas-Auffüll-Service Gasolfyllarna gab, der zu bezahlbaren Preisen die deutsche Gasflasche auffüllte. 

Das war eine weitere Etappe unserer Reise und wir hatten ab da nur gefühlt nur noch wenig Zeit in Schweden. Aber wir genossen die restlichen Stationen und waren am Ende doch etwas wehmütig. 

Bis dahin,

Hälsningar 

Tanja




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