Samstag, 2. August 2014

Studium und Kind(er) - eine gute Idee?!

So, meine Lieben! Da mein Kleiner momentan nichts von längeren Schlafeinheiten als einer halben Stunde hält (ich meine übrigens nachts...), komme ich momentan zu nicht wirklich viel. Trotzdem möchte ich euch gern nicht zu lange im Stich lassen. Und da ich mir über dieses Thema schon viele Gedanken gemacht habe, wollte ich diese kurz niederschreiben.

Wer sich als Frau gerade im Studium befindet, oder dieses bald antritt, wird sich vielleicht schon mal die Frage gestellt haben, ob sie sich in ihrem Leben Kinder wünscht, und wenn ja, wann diese denn am wenigsten Schaden im Lebenslauf anrichten. Das klingt jetzt vielleicht negativ, aber wenn man sich umschaut, dann ist diese Einschätzung gar nicht so unrealistisch. Die neuen Studienordnungen haben sowohl das Studium als auch den Berufseinstieg enorm beschleunigt. Wer sich das Studium im Sinne Humboldts vorstellt, der wird  von den tatsächlichen Zuständen an den Universitäten sehr enttäuscht sein. So ging es auch mir...

Als ich mein Studium anfing, habe ich mir das ganz toll ausgemalt. Ich studiere zackig mein Studium durch, steige dann in den Beruf ein und dann, natürlich habe ich bis dahin den perfekten Mann schon gefunden, kommen die Kinder. Das erste Problem trat schneller auf als ich darauf gefasst war. Ich musste nach dem ersten Semester feststellen, dass das Studium mir überhaupt nicht lag. Also wieder neu orientieren und los ging es im nächsten Studium.

Nachdem ich das passende Studium gefunden hatte, war ich sehr glücklich und habe meine Studienzeit sehr genossen. Doch nachdem sich das Studium dann doch nicht so zackig dem Ende zu neigte, begann ich mir darüber Gedanken zu machen, ob mein Plan mit den Kindern so gut ist, wie ich es mir ausgedacht hatte. Ich habe mir schon immer gewünscht, keine allzu "alte" Mutter zu sein. Mein Traumalter für Kind eins und zwei lag bei 25 und 27. Jetzt näherte ich mich schon dem 24. Lebensjahr und noch weit davon entfernt alles auf meiner Liste erledigt zu haben.

Doch nachdem ich kurz darauf meinen Traummann gefunden hatte und es einfach alles richtig gut lief, haben wir uns über die Option unterhalten, die Kinder ins Studium vorzuziehen. Wir haben Stunden mit Finanzierungs- und Betreunngsfragen zugebracht und lange abgewogen, ob wir das packen und vor allem ich mein Studium trotzdem fertig bekomme. Rein theoretisch waren alle Probleme, die sich uns in den Weg stellen konnten gelöst und wir entschieden uns für unser erstes Kind. Und ganz getreu dem Sprichwort "Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr.", war ich nach kurzer Zeit schwanger und es kam alles ganz anders.

Der ein oder andere wird sagen, wie kann man sowas nur vernachlässigen, aber ich habe es vernachlässigt, und zwar, WANN das Kind auf die Welt kommt. Und das kam mitten im Semester. Damit musste ich ein Semester mehr pausieren, als ich es mir gewünscht hatte.

Trotzdem: Das Baby war da und es lief eigentlich ganz nach Plan. Dank meiner großartigen Mutter, konnte ich bereits 9 Monate nach der Geburt wieder an die Uni und mein Studium fortsetzen. Das es mir aber emotional gesehen gar nicht so leicht fiel, mein Baby zuhause zu lassen und in die Uni zu fahren, war die Kehrseite der Medaille. So ging es mir immer wieder. Auch wenn die Tagesmutter, die die Betreuung übernahm wirklich großartig war und auch die Krippe, in die meine Maus kam, zu den besten der Gegend gehörte, blutete mir das Herz immer wieder, dass ich so wenig Zeit mit ihr hatte. Darunter litt zum Teil auch mein Studium.

Als Problem kristallisierte sich auch die Infektanfälligkeit der Kleinen heraus. Meine Tochter war oft krank, sodass ich sehr häufig zuhause anstatt in der Uni saß. Doch zum einen hatte ich nicht immer jemanden an der Hand, der mein krankes Kind betreut hätte, zum anderen, wollte ich meine Maus nicht im Stich lassen, wenn sie krank war. Denn genau so fühlte es sich für mich an. An sich sind die Professoren verständnisvoll und sehen mit Krankschreibung über die häufigeren Fehlstunden hinweg. Wenn man aber etwas studiert, wo es keinen festen Lehrplan gibt, an den man sich im Notfall halten kann, und zuhause nachlernen kann, verliert man schnell den Faden, was in den Seminarstunden passiert und kann das Seminar eher schlecht als recht beenden. So fiel ein Seminar nach dem anderen flach und ich musste immer wieder schieben.

Es mag umso verrückter klingen, dass wir uns trotzdem auch für unser zweites Kind noch während dem Studium entschieden haben. Doch die Gründe dafür lagen für uns auf der Hand. So flexibel wie jetzt werde ich im Beruf niemals sein. Welcher Arbeitgeber akzeptiert im Winter alle zwei Wochen einen viertägigen Ausfall? Wann kann man im Beruf schon mal sagen: Das mache ich einfach in einem halben Jahr?

Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mein Studium zu locker sehe oder zu wenig zielstrebig bin. Trotzdem musste ich feststellen, dass meine Kinder mir weitaus wichtiger waren, als jedes Seminar. Meine Muttergefühle haben mich ziemlich überrollt. Ich war und bin Mutter mit Leib und Seele. Ich genieße es unheimlich, so viel Zeit für meine Kinder zu haben und würde mich immer wieder für Kinder während des Studiums entscheiden. Auch wenn die Müdigkeit zwischendurch das dominierende Gefühl ist und war, genießt man die freie Zeit und die schönen Momente miteinander umso mehr. Das Gefühl zu wissen, dass meine Kinder aus dem Gröbsten raus sind, wenn ich in den Beruf einsteige und dass ich immer noch ziemlich jung sein werde, bestätigt für mich unsere Entscheidung.

Man sollte sich trotz vieler positiver Erfahrungsberichte immer Gedanken darüber machen, inwiefern ein Studium mit Kind für einen selbst umsetzbar ist. Die Naturwissenschaftler haben oft eine schlechte Ausgangssituation für Kinder im Studium, da die vielen Laborpraktika z.B. schwanger zu gefährlich wären. Aber auch mit Baby zuhause, sollte man bei Kontakten mit Bakterien oder Chemikalien vorsichtig sein. Das nur als Beispiel aus meinem Freundeskreis, wo aus eben diesen Gründen die Kinder auf nach dem Studium verschonen wurden.

Mein persönliches Fazit:

+ man ist sehr flexibel in der Zeiteinteilung
+ man kann sich Zeit für die Kinder einplanen
+ man bekommt das Kind im besten "Gebäralter" (weniger Komplikationen etc.)
+ Krankheitszeiten können besser kompensiert werden als im Beruf
+ junge Mutterschaft
+ Kinder sind bei Berufseinstieg aus dem Gröbsten raus
+ Arbeitgeber können sich darauf verlassen, dass man nicht plötzlich wegen Kinderwunsch ausfällt

- Studium zieht sich in die Länge
- Finanziell nicht immer leicht
- hängt sehr von der Uni ab, wie die Professoren mit Studi-Eltern umgehen
- man muss von jetzt auf gleich erwachsen werden
- wenig Zeit für sich selbst (wobei ich glaube, dass auch "normale" Mütter dieses Problem haben)

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich habe Deinen sympathischen Blog für den Liebster Award nominiert. Vielleicht magst Du mich auf meinem Blog besuchen? Herzliche Grüße, Viola

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  2. Oh wie lieb. Danke! Ich schau gleich mal rüber! :)

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